Poetryslam

Von Redaktion

Mutmach-Geschichte

Poetryslam

von Bohney23

Die Zutaten:

Kampf um BaFöG, neue Lebensziele und ein Neu-Comedian

Vorwort der Herausgeber zur Geschichte

Dieser humorvolle Bericht hat uns bei allem schmunzeln einige Male zum Nachdenken gebracht. Aber was ein zerstreuter Student nach seiner tiefsten Lebensphase alles wieder auf die Beine stellt, macht vielen Menschen Freude, schon weil sich ein Comedian versteckt hat.

Wir danken Bohney23 für Ihren Beitrag.

Kein BaFöG, kein Studium

“Es war die beste Zeit. Es war die schlimmste Zeit.” Ich weiß, dieser Satz stammt aus: „Eine Geschichte aus zwei Städten!“, aber es trifft sehr gut auf meine Mutmachgeschichte zu, da einige Städte darin eine Rolle spielen.

Ich muss allerdings zugeben, dass es sich um eine Geschichte in der Geschichte handelt. Daher fange ich zu der Zeit an, als eine Mischung aus Faulheit, Unwissen und einer vielleicht schon beginnenden Krankheit dafür sorgte, dass ich mein BaföG verlor.

Zuerst studierte ich Erziehungswissenschaften als Hauptfach und Neue deutsche Literatur und Psychologie als Nebenfächer, dann wechselte ich auf die Hauptfächer Neue deutsche Literatur und Geschichte.

Mathematik oder Ämterkunde waren nicht dabei. Kurzum: Ich hätte es verlängern müssen, was ich aber nicht wusste.

Das Ergebnis ließ sich echt sehen. Dadurch, dass ich kein BaföG mehr bekam, wurde ich exmatrikuliert, was wiederrum dazu führte, dass ich kein BaföG beantragen konnte. Nach reiflicher Überlegungszeit wie es weitergehen sollte – ich brauchte wohl ein Jahr – beschloss ich, mich trotzdem bei einer anderen Universität zu bewerben. Diesmal direkt auf die Fächer Deutsch und Geschichte.

Auf nach Gran Canaria

Da bis zur Immatrikulation noch fast ein halbes Jahr Zeit war, beschloss ich meinen besten Freund auf Gran Canaria zu besuchen. Ja, auf Gran Canaria. Sein zukünftiger Arbeitgeber teilte ihm erst im Bewerbungsgespräch mit, wo sein Arbeitsort sein würde.

Somit war mir klar, dass ich einige Monate auf den kanarischen Inseln verbringen werde.

Es wurden anderthalb Jahre daraus. In dieser Zeit hatte ich bewusst erlebt, dass man mit einer Ausbildung im Hotelbereich, einige hundert Euro mehr auf der Insel verdienen konnte als unausgebildet. Als ich zurück nach Deutschland flog, um meinen Eltern bei ihrem Umzug zu helfen, wurde die Idee geboren auch gleich noch eine Ausbildung zu versuchen.

Über die Agentur für Arbeit fand ich die Möglichkeit diese Idee bei einem Bildungsträger in Hameln in die Tat umzusetzen. Im Zuge der schulischen Ausbildung dort, absolviert man zwei dreimonatige Praktika. Da ich mich zum Zeitpunkt des ersten Praktikums in einer Fernbeziehung befand, versuchte ich alles, um einen Praktikumsplatz in der Nähe meiner Freundin zu finden.

Diesen bekam ich dann glücklicherweise in Gießen. Wir spulen, trotz einiger interessanter Wendungen, bis ans Ende des Praktikums. In der letzten Woche sagte meine Chefin: „Schade, dass es keine Möglichkeit gibt, dass Sie uns länger erhalten bleiben!“.

Just in diesem Moment fiel mir ein Satz meines Arbeitsberaters ein, dass die Agentur für Arbeit einen Ausbildungsbetrieb, der mich einstellen würde, bezuschussen könnte und wir deichselten eine Komplettausbildung im Praktikumsbetrieb.

Gut, ein wenig mehr Trara gab es schon: Meine Ausbildung wurde von Hotelfachmann auf Hotelkaufmann hochgestuft; dadurch 1 Jahr mehr Ausbildung; ich musste viel mehr Anträge ausfüllen, unter anderem für auswärtige Unterbringung mit Zweitwohnsitz.

Ich brauchte eine neue Wohnung, da der Mitbewohner der WG, der mir sein Zimmer überließ, nach einem halben Jahr Leonardo-Auslandserfahrung, wieder zurückkam. Nicht ohne das Dahinscheiden seiner Zimmerpflanze protokollieren zu müssen, wo ich doch sowas von keinen grünen Daumen hab.

Das Ende vom Lied war dann eine Ausbildung in einem Hotel in Gießen mit Berufsschule in Frankfurt. Das letzte Wort des Liedes endete dann in einem Abschluss mit der Note von glatt 1, da mir zu dem Zeitpunkt bewusst war, wie wichtig dieser Abschluss für mich ist.

Einige Zeit später: Die Freundin wurde zur Ex und zog nach München; meine Beförderung zum Personalchef wurde durch mein Helfersyndrom zerstört – das Heimweh zur Familie übermannte mich schließlich; Gran Canaria war aus dem Spiel, da mein bester Freund weiterzog (Aida, Italien, Frau und Kind).

Mein erstes Jahr als Nightauditor im Hotel war nicht sehr erfolgreich, aber inzwischen habe ich nächstes Jahr das 10-jährige Betriebsjubiläum, was uns zurück zur anfangs erwähnten Krankheit führt.

Aus-zeit in Aus-tralien

Nach einer schönen und freudebringenden Reise nach Australien Ende 2018, zeigte sich, dass die stressigen Arbeitsjahre davor – mein Arbeitskollege war über viele Monate ohne Ersatz erkrankt – nun ihren Tribut forderten. Aufgrund einer Kette von Ereignissen, die ich hier nicht näher beschreiben möchte, erlebte ich eine Nacht voller Qualen und einen Morgen der überraschenden Grausamkeit. Ich konnte nicht mehr, wollte nicht mehr, war lebensmüde. Es folgte ein nervlicher Zusammenbruch mit Suizidversuch, später diagnostiziert als mittelgrade Depression und zwanghafte Persönlichkeitsstörung.

Nach vielen Wochen der Therapie drängte sich mir wieder mein berufliches Leben in den Sinn. Was wollte ich?

Relativ schnell zeigte sich, dass ich meine künstlerischen Fähigkeiten auszunutzen wollte und eine Karriere als Comedian anstrebte. Ich wollte der neue Andy Kaufman werden!

Da mich literarische Dinge interessierten, plante ich auch an einigen Sitcoms (weshalb die Idee auch einige Mitstreiter ins Boot holen würde) und schrieb meine ersten Poetryslams.

Der künstlerische Wunsch manifestierte sich dann, wie sollte es jetzt anders zu erwarten sein, im Februar/März dieses Jahres. Der erste Poetryslam-Auftritt war auf April gebucht, erstes Comedy-Programm geschrieben und Open-Mic-Bühnen angeschrieben.

Dann kam die Corona-Pandemie.

Auftritte wurden abgesagt, die Sitcom konnte aufgrund von Social Distancing nicht durchgeführt werden, Bühnen wurden geschlossen.

Psychisch gesehen ein großer Rückschlag! Was sollte ich nun tun? Ich hatte bereits einige Investitionen in meine Zukunft in Form von neuem Equipment getätigt. Sollte das jetzt alles umsonst gewesen sein? Wäre das Wagnis aus einem starren, aber sicheren Angestelltenverhältnis hinein in einen künstlerischen, freien Beruf bereits vor dem eigentlichen Anfang beendet sein?

Vielleicht; aber kreativ-flexibel betrachtet war die Situation zumindest bearbeitbar. Videos kann man auch zuhause drehen, Videoplattformen sind stark am Wachsen. So lange Auftritte verpönt sind, kann man an Texten und Synchronisationen schreiben. Die Kreativität hält die Maschine am Laufen.

Wie sagt man so schön: „Wo eine Tür zu geht, öffnet sich anderswo ein Fenster!“

Und jetzt? – Jetzt bin ich zur finanziellen Sicherung – kurz vor der Aussteuerung nach 18 Monaten – in meinen Beruf zurückgekehrt. Ich habe meinen Traum bei Weitem nicht aufgegeben. Es sind einige weitere Texte dazugekommen, als Autor versuche ich jeden Monat an mindestens drei Wettbewerben (wie z. B. diesem hier) teilzunehmen. Und mehr noch: eine neue Sitcom, mit Aufnahmen von Tieren, die ich dann synchronisiere, wurde geplant. Meine Kunst wird in verschiedenen sozialen Medien unter dem Pseudonym Bohney23 geteilt.

Worte ins Maul gelegt

Auch wenn ich noch nicht der deutsche Chuck Lorre bin, so wird sich nach der Pandemie zeigen, ob ich das alles weiterverfolgen kann. Was ich nun mit meiner Idee – Sitcoms mit tierischen Schauspielern – in der jetzigen Zeit, wo es mir gesundheitlich besser geht, begonnen habe, macht mir Freude.

Einen Gag in der Synchronisation umzusetzen und das Ergebnis mit einem innerlichen Kichern bis zu einem lauthalsen Lachen zu begutachten, macht Mut für die nächste Folge. Auch wenn die Follower- und Viewzahlen meiner Videos nicht gerade durch die Decke gehen, ich bin stolz darauf, selbst wenn sie außer mir nur einem weiteren Zuschauer ein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Solange mir bei diesen Zahlen nicht überall eine fette Null feist ins Gesicht spottet, habe ich Hoffnung für die Zukunft.

Ganz nebenbei freuen sich die Hundebesitzer über die lustigen Videos ihrer “Sprösslinge” mit überraschend neuen Stimmen und Aussagen. Außerdem finde ich viel Unterstützung bei Freunden und meiner Familie, sei es durch positiven Zuspruch, als auch durch verschiedene kreative Nuancen, mit denen ein Witz vielleicht noch deutlicher wird oder ein größeres Publikum zu Gelächter animieren kann.

Aber auch das Potential als möglicher Arbeitgeber ist interessant. Über kurz oder lang werde ich Synchronstimmen, Schauspieler und Mitarbeiter brauchen.

Schließlichmacht Lachengesund!

Natürlich muss ich meine Krankheit weiter in den Griff bekommen und
beruflich sind noch einige Stolpersteine zu überwinden,
aber ich freue mich mit meinen kreativen Fähigkeiten
anderen Freude zu bringen

Wer hat hier geschrieben?

Hallo,

ich bin Bohney23, im wahren Leben nennt man mich auch durchaus mal . . . [nein, das bleibt doch geheim :-)].

Laut Pass werde ich schon seit 1979 älter.

Studiert habe ich mal Geschichte und neue deutsche Literatur, allerdings abgebrochen. Dafür eine Ausbildung zum Hotelkaufmann erfolgreich absolviert und heute arbeite ich in einem Hotel.

Nebenher probiere ich mich als Autor und Creator auf diversen Videoplattformen aus.

Mein Traum ist daher sehr simpel: Ich möchte mein Geld gerne mit etwas verdienen, dass nicht nur mir Spaß macht.

Du erreichts Bohney23 auch hier: Facebook-Profil 

Bohney23

Diese Geschichte von Bohney23 ist Teil des Schreibwettbewerbs “Mut in der Krise” und beruht auf einem persönlichen Erlebnis.

Genauere Informationen zum Wettbewerb findest du hier: Mut in der Krise.